ChileSkitouren im Land der Vulkane

Es gibt Orte auf der Welt, an denen Skifahren mehr als nur ein Sport ist, es ist eine tiefgreifende Sinneserfahrung, ein ständiger Dialog zwischen der Natur und der Kraft der Erde. In einer solchen Umgebung zu leben und Ski zu fahren bedeutet, die Dualität anzunehmen: das Erhabene und das Wilde, das Vorhersehbare und das Unvorhersehbare, das Schöne und das Gefährliche. Hier ist das Land nicht statisch. Es bewegt sich, atmet und spricht.

Lanín Villarrica
Lanín Villarrica

Im Herzen des pazifischen Feuerrings erheben sich hunderte von Vulkanen aus den fruchtbaren Tälern der Anden. Einige ruhen, während andere rauchen und ausbrechen, diese direkte Verbindung zum Erdkern macht dieses Gebiet zu einem einzigartigen Erlebnis. Das Lesen alter und neuer Eruptionen, wo die Spuren alter Lavaströme unter dem Schnee des Winters und des Frühlings verborgen sind, verleiht dem skifahren eine ganz andere Dimension.

Gipfel und Krater des Mocho Vulkan
Gipfel und Krater des Mocho Vulkan

In diesem Artikel fokussieren wir uns auf die Region Araucanía im Süden Chiles, wo Eduardo Retamales lebt und beruflich als Bergführer und Abenteuerfotograf tätig ist.

Chile, genauer gesagt das Andengebirge, ist eines der Gebiete mit der höchsten Dichte an aktiven Vulkanen weltweit. Im Süden Chiles erheben sich Namen wie Villarrica, Llaima, Osorno, Lonquimay, Lanín, Mocho-Choshuenco, Antuco, Nevados de Chillán (Alte und Neue) und andere zwischen uralten Wäldern aus Araukarien, Lengas und Coigües. Zu ihren Füssen spiegeln sich Gletscherseen in schneebedeckten Kegeln und mit Vulkanasche bedeckten Tälern.

Man bekommt das Gefühl in eine prähistorische Landschaft einzutreten. Die Formen, Farben und Texturen sind durch vergangene Ausbrüche und das ständige Zusammenspiel von Schnee, Lava, Wind und Wald geformt worden. Jeder Vulkan erzählt seine eigene Geschichte: einige haben offene Krater, aus denen gelegentlich Magma aufsteigt, all das macht Skitourenerlebnis aussergewöhnlich.

Südostflanke des Villarrica Vulkan
Südostflanke des Villarrica Vulkan

Nach Ansicht der Mapuche, der Ureinwohner der Region, sind Vulkane als Pillanes (in Mapudungun, der Sprache der Mapuche) bekannt, als Geister, die in ihnen wohnen. Ein Beispiel dafür ist der Vulkan Villarrica, oder unter seinem ursprünglichen Namen Ruka Pillán, was „Haus der Geister“ bedeutet.

Skitouren auf vulkanen

Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften dieser Region ist die Möglichkeit, an einem einzigen Tag einen Vulkan zu besteigen und vom Krater abzufahren. In diesem Land der Kontraste ist es möglich, einen ganzen Skitourentag zu erleben, der im Morgengrauen zwischen gefrorenen Bäumen beginnt und mit einer perfekten Abfahrt vom Gipfel endet. Der Schlüssel liegt in der Planung, der Kenntnis des Geländes und der Bereitschaft, früh aufzustehen.

Mit dem am Vorabend vorbereiteten Rucksack sind die ersten Schritte lautlos. Der Lichtkegel der Stirnlampe schneidet sich durch die Dunkelheit des Waldes, während die Felle über den noch gefrorenen Schnee knirschen. Es ist ruhig, einzig die Geräusche vom Gleiten der Skier und der eigene Atem sind hörbar.

Aufstieg zum Nevados de Chillán Vulkan
Aufstieg zum Nevados de Chillán Vulkan
Nach Sonnenaufgang
Nach Sonnenaufgang

Sobald man die Baumgrenze hinter sich gelassen hat, zeigt sich der Vulkankegel in seiner ganzen Pracht. Ein breiter Hang, mal sanft, mal technisch, erstreckt sich bis zum Krater. Mit zunehmender Höhe verändert sich der Schnee, der Wind dreht sich. Die Schatten der Morgendämmerung tanzen über den Hang. Hier beginnt die eigentliche Herausforderung: die Anpassung an die ständig wechselnden Schneeverhältnisse, die zwischen schwerem „araukanischem Pulverschnee“, Eis, Kruste und weiteren Schneearten wechseln.

Oberhalbt des Lenga Wald, See Villarrica im Hintergrund
Oberhalbt des Lenga Wald, See Villarrica im Hintergrund

Wenn der gewählte Vulkan aktiv ist (z. B. Villarrica oder Llaima), raucht der Krater und die Luft ist mit Schwefelgeruch erfüllt. Vom Gipfel aus sind weitere Vulkane in alle Richtungen zu sehen, nebst tiefblaue Seen und noch in Nebel gehüllten Tälern. Ausser dem Wind, der an die Jacke schlägt, gibt es kein Geräusch. Beim Krater ist es oft warm, und die Hitze steigt sicht- und fühlbar aus den Rissen.

Es gibt nur wenige, vergleichbare und prägende Freuden, die mit einer ersten Abfahrt von einem Vulkan zu vergleichen sind. Vom Gipfel bis zum Fusse beweget man sich in einem der sich am stärksten, ständig wechselnden Landschaften weltweit mit einem durchschnittlichen Höhenunterschied von 1.500 Metern.

Abfahrt vom Lanin Vulkan
Abfahrt vom Lanin Vulkan
Abfahrt vom Villarrica Vulkan-El Patron Ber
Abfahrt vom Villarrica Vulkan-El Patron Ber

Zurück im Wald, kehrt man mit müden Muskeln und der Erinnerung an den Vulkan zurück. Das knirschen des Schnees unter deinen Stiefeln erinnert daran, dass das Erlebte real war.

Gipfelglück
Gipfelglück

Zu beachten: Technik, Risiko und Präzision

Skitouren auf vulkanischem Gelände erfordern ständige Aufmerksamkeit. Körperliche Fitness allein genügt nicht, diese Berge verändern sich täglich.

Stetig wechselnde Schneeverhältnisse: Die Vulkane in dieser Region sind extremen Wetterbedingungen ausgesetzt. Direkte Sonneneinstrahlung an exponierten Hängen, geothermische Aktivität unter der Oberfläche, ständiger Wind und die Hangausrichtung können dazu führen, dass man in einer einzigen Abfahrt vier verschiedene Schneearten antrifft.

Vulkanische Überwachung: In aktiven Zonen ist es wichtig, die Berichte über seismische Aktivitäten zu studieren. Örtliche Vulkanologie-Observatorien melden die Alarmstufe, was vor der Planung eines Aufstiegs von entscheidender Bedeutung ist. Vor kurzem, im Dezember 2024, wurde der Zugang zum Gipfel des Vulkans Villarrica wieder geöffnet, nachdem er zwei Jahre lang wegen vulkanischer Aktivität geschlossen war.

Ausrüstungswahl: Verlässliche Ausrüstung ist entscheidend, da es in den Anden keine umfangreiche Berginfrastruktur gibt. Skilifte und Schutzhütten sind rar gesät, alles muss selber getragen werden. Eduardo benutzt je nach Tour die Tecton 13 oder die Xenic-Bindung, beide sind für diese Art von Umgebung hervorragend geeignet.

Sicherheit: Auch wenn die Lawinengefahr in manchen Gebieten geringer ist, können lokale Rutsche, Wächten und Schneeveränderungen trügerisch sein. Das tragen der Sicherheitsausrüstung wie Lawinenverschüttetensuchgerät, Schaufel, Sonde, Funkgerät und Helm ist ein Muss.

Xenic 10 auf dem Lanin Vulkan
Xenic 10 auf dem Lanin Vulkan
Tecton 13 auf dem Villarrica Vulkan
Tecton 13 auf dem Villarrica Vulkan
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    Touring
    System: Drehende, breit abgestützte Pin-Ferseneinheit, Fritschi Safety System
    Leichtgewichtsbindung für Alpinistinnen und Alpinisten mit dem Plus an Abfahrtsperformance und Sicherheit.
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    Freeride & Free Touring
    System: Hybrid-Pin-Bindung mit fixem Alpin-Fersenbacken, Fritschi Safety System
    Für Free Skier die das aktive, dynamische Skierlebnis in herausforderndem Terrain suchen.

Respekt vor der Natur

Sich auf Vulkanen zu bewegen, ist auch eine Lektion in Bezug auf Demut. Diese Giganten waren - wie alle Berge - schon lange vor uns da. Einige sind in den letzten Jahren ausgebrochen, andere schlafen mit einem offenen Auge. Wenn man durch ihre Hänge wandert, erlebt man deren lebendige, geologische Geschichte.

Es ist auch eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. Die uralten Bäume, die Kondore, die über den Gipfeln schweben, die Fumarolen, die an kalten Tagen aufsteigen, die stillen Gletscher - alles verlangt absoluten Respekt. Man muss vorsichtig sein, die Auswirkungen so gering wie möglich halten und dankbar sein für das Privileg, dort sein zu dürfen.

Vulkane sind nicht nur Berge. Sie sind Erlebnisse mit Feuer unter den Füssen und Schnee unter den Skiern. Von reinen Linien und unvergesslichen Tagen. Und von einem Leben, das mit dem Wesentlichen verbunden ist: der Erde, der Zeit, dem Körper und der Stille.

Gefrorene araucarias auf dem Las Peinetas BergGefrorene araucarias auf dem Las Peinetas Berg
Gefrorene araucarias auf dem Las Peinetas Berg

Eduardo Retamales Fritschi-Botschafter

Eduardo Retamales ist zertifizierter Bergführer und gehört seit eineinhalb Jahren zur Fritschi-Familie.

Neben seiner Tätigkeit als Bergführer in der Region Araucanía, im Süden Chiles und der Leitung von Expeditionen im ganzen Land, arbeitet er professionell als Outdoorfotograf, der sich auf Dokumentarfotografie beim Klettern (in allen Disziplinen), Bergsteigen und Skifahren spezialisiert hat.

Seine Leidenschaft für ein Leben in den Bergen entdeckte er bereits während seines Architekturstudiums, wo er auch die Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel entdeckte.

Fotografie und Bergsteigen gingen schon immer Hand in Hand und sind heute die Tätigkeit denen er 100% seiner Zeit widmet.

Auch wenn sich seine sportliche Karriere nicht um Wettkampfskifahren oder große Freeride-Lines drehte, lernte er das Skifahren als Zugang zu seiner Arbeit als Bergführer und Fotograf kennen und konzentrierte sich auf das, was er am meisten liebt: die Erkundung des winterlichen Geländes, sei es als Bergführer oder als Dokumentarist.

Dankbar (in seinen eigenen Worten) trat er der Fritschi-Familie bei, wo er nicht nur eine innovative Marke vorfand, sondern auch eine tolle Gruppe von Menschen welche die gleiche Passion frönen wie er.

Eduardo verwendet eine von zwei Fritschi Bindungsmodelle, je nach Touranforderungen. Die Tecton 13 ist seine Basisbindung aufgrund ihrer grossen Vielseitigkeit, Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit.Wenn das Projekt Leichtigkeit erfordert, entscheidet er sich für die Xenic, die nach seinen Worten eine sehr minimalistische und präzise Version dessen ist, was man von einer Skitourenbindung erwartet, insbesondere aufgrund des geringen Gewichts, der Sicherheit und einer einfachen Wartung.

Eduardo arbeitet derzeit an seinem nächsten Winterprojekt, das ihn in die nördlichen Eisfelder des chilenischen Patagoniens führen wird.

Eduardo Retamales auf dem Osorno Vulkan
Eduardo Retamales auf dem Osorno Vulkan

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